Digitale Sucht
So genervt von dieser digitalen Abhängigkeit.
Die Uhr zeigt Mitternacht an und ich hing die letzten Stunden auf Youtube rum.
Nachdem ich die letzten Jahre außerhalb Deutschlands gelebt habe, fühlt sich Bingewatching gerade wie eine berechtigte Kompensation der letzten Jahre an, wo ich den Großteil meiner Zeit im real life mit Menschen und in der Natur verbracht habe.
Ich fühle mich halbtot, wenn ich Instagram öffne und all die flashy Fotos sehe, die endlosen Posts, die sich im Ton & Inhalt stets wiederholen.
Auf Youtube lerne ich zwar noch viel über Beziehungen und Lifestyles, dennoch sprengt die Menge an Informationen absolut den Rahmen dessen, was mein Kopf verarbeiten kann.
Ich fühle mich wie ein Zombie, unfähig aufzuhören und unfähig abzuschalten.
Ich spüre den lähmenden Effekt der Sucht, und wie sich das unangenehme Gefühl des FOMOs breit macht, und ich im Kopf anfange Listen zu erstellen mit allem was ich noch erreichen will und was noch nicht genug in meinem Leben ist.
Das lähmende Gefühl wechselt hin und wieder mal zu obsessiver Faszination oder Ekel über die verschiedenen Facetten von Content, den der Algorithmus mir anbietet.
Nach einigen Stunden schaffe ich es endlich, mich zu befreien und das Fenster zu schließen.
Mein Kopf ist voll mit Bildern und Messages anderer Leute. In meinem Herzen lingern noch Gefühle, Gedanken & Träume fremder Personen.
Ich fühle mich nicht ganz bei mir, vollgesogen mit Energien, die nicht meine sind.
Die Unzufriedenheit und Leere rührt daher, dass ich mich selber einfach so sehr vermisse und mich durch dieses gefährliche Ablenken mit all seinen psychologischen Tücken noch weiter von mir selbst entferne.
Je mehr ich mein Konsumverhalten beobachte, desto entsetzter erkenne ich, wie ich mich selbst versklave.
Wenigstens bin ich halbwegs in der Lage, mich zu beobachten.
Nun ist es 12:15, zwei Stunden und fünfzehn Minuten nach meiner angepeilten Schlafenszeit.
Ich hoffe, dass ich morgen früh entweder so gut gelaunt oder so pissig aufwache, dass ich es nicht mehr wage, noch mehr Zeit im Internet zu verschwenden und mich mehr dem echten Leben zuwende.
Wo ist meine Lebensfreude hin? Wo ist die Abenteuerlust hin?
Morgen ist Freitag, mein freier Tag. Das Wetter ist fantastisch, ich kann alles machen was ich will.
Will ich morgen überhaupt einen wunderschönen Tag haben? Oder will ich lieber weiter gefühlstaub vor dem Screen sitzen?
So fed up with this digital addiction.
The clock shows midnight and I’ve been hanging out on YouTube for the past few hours. Having spent the past years outside of Germany, binge-watching feels like a justified compensation for those years where I spent most of my time in real life with people and in nature.
I feel half-dead when I open Instagram and see all the flashy photos, the endless posts that repeat themselves in tone and content. On YouTube I still learn a lot about relationships and lifestyles, yet the sheer amount of information completely exceeds what my mind can process.
I feel like a zombie, unable to stop and unable to switch off. I feel the paralyzing effect of addiction, and how that uncomfortable feeling of FOMO spreads, and how I start making lists in my head of everything I still want to achieve and everything in my life that isn’t enough yet. The paralysis shifts every now and then to obsessive fascination or disgust over the various facets of content the algorithm serves me.
After a few hours I finally manage to free myself and close the window.
My head is full of other people’s images and messages. In my heart linger feelings, thoughts and dreams of strangers. I don’t feel quite like myself — soaked in energies that aren’t mine.
The dissatisfaction and emptiness come from missing myself so deeply, and from drifting even further away from myself through this dangerous distraction with all its psychological traps. The more I observe my consumption habits, the more horrified I am by how I enslave myself. At least I’m somewhat capable of observing myself.
It’s 12:15 now, two hours and fifteen minutes past my intended bedtime. I hope I wake up tomorrow either in such a good mood or so furious with myself that I won’t dare waste any more time online and will turn back toward real life.
Where did my joy for life go? Where did my sense of adventure go?
Tomorrow is Friday, my day off. The weather is fantastic, I can do whatever I want. Do I even want to have a wonderful day tomorrow? Or would I rather sit emotionally numb in front of a screen?